Galeriebrief 3/2008

25. April bis 14. Juni 2008

JAMES BISHOP, Four Brown Paintings 1971 - 1974
Unsere Ausstellung präsentiert vier grossformatige Werke, was ihrer Bedeutung angemessen ist und was als ausserordentlicher Glücksfall gewertet werden muss. Bedeutend ist die Werkgruppe der braunen Gemälde, insgesamt etwa zwanzig Arbeiten, und bedeutungsvoll ist ihr historischer Ort. Ab Mitte der sechziger Jahre wurden der Stellenwert und die Zukunftsaussichten der Malerei in Zweifel gezogen, so etwa, wenn Frank Stella in einem Interview mit Lucy Lippard zur grossen Tradition folgende Bemerkung machte: "It's just that you can't go back. It's not a question of destroying anything. If something's used up, something's done, something's over with, what's the point of getting involved with it ?" Nichtsdestoweniger sind es einige wenige Künstler im Bereich der Avantgarde, die noch voll und ausschliesslich mit Malerei und der unweigerlich damit verbundenen Geschichte zu tun haben wollten. Ihre Leistung und ihr jeweils einzigartiges und individuelles Profil ist umso bemerkenswerter. James Bishop, Robert Mangold, Brice Marden, Agnes Martin, Robert Ryman sind die Maler, denen dort, wo die grosse Generation der amerikanischen abstrakten Expressionisten einen unübertrefflichen Endpunkt gesetzt hatte, ein vielversprechender Anfang gelang. Es war dies keine künstlerische Bewegung, kein gemeinsamer programmatischer Ansatz wurde proklamiert, und eben deshalb ist das Lebenswerk dieser Protagonisten einer erneuerten, lebensfähigen Malerei jeweils ein stabiles und unübersehbares Gebäude. Dass eigene Anstrengung und Analyse diese wichtigen Einzelgänger, trotz und mit der grossen, überindividuellen Tradition zu herausragenden künstlerischen Leistungen befähigten ist ein Glücksfall der Kunstgeschichte.

Die spürbaren, lesbaren, sichtbaren Sensationen oder Sinneseindrücke, die von der Malerei im Laufe ihrer langen und glanzvollen Geschichte immer deutlicher als Eigenwert hervorgebracht wurden, sollten erhalten und weiterhin Teil der künstlerischen Sprache bleiben. Dies setzte aber radikale Innovation voraus, was alle weiteren Formulierungen, Erfindungen und Entscheidungen anging. Denn wenn isolierte ästhetische Zeichen oder Qualitäten lediglich extrahiert werden und sich als abgeleitete, selbstgenügsame Verfahren präsentieren bleibt das Resultat unerhebliches Machwerk. Dem Künstler muss es gelingen, Medium und Material, Form und Vorgehensweise zu einem neuen Organismus zu verdichten. Die Teile rechtfertigen das Ganze und das Ganze wiederum die Teile.

Anlass und Problem der braunen Bilder von James Bishop sind eben nur gerade diese Bilder. Die Grösse der Leinwand, im Bereich von 195 x 195 cm, kommt der Handhabung durch den Künstler entgegen. Deshalb gibt es auch keinen Grund, dieses Mass zu variieren. Es ist das selbstverständliche Mass einer Familie von Dingen, weder sehr gross, noch klein. Richtig auf der Wand angebracht, das heisst mit einem deutlichen Bezug zum Fussboden, wird das Format zu einer Qualität des Werks. Handhabung ist ein wichtiger Aspekt der Werke, denn um diese zu malen, legte Bishop die aufgespannte Leinwand auf den Fussboden. Die Malmethode belässt dem Pinselstrich lediglich eine verdeckte Präsenz. Es ist die starke, sinnliche Präsenz der Farbhaut, die das Bildgeschehen dominiert. Ein klares und einfaches Balkengerüst organisiert die Bildstruktur. In einigen Werken ist die weiss grundierte Leinwand Teil der Bildfläche, was die Sinnlichkeit der Farbe noch deutlicher akzentuiert.

Alle Beschreibungen bleiben aber notwendigerweise dem Impetus dieser Malerei unangemessen und äusserlich. Was von dieser abstrakten Malerei ausgeht ist vielmehr eine tiefe und getragene Emotion, ein merkwürdiger und starker Realitätsbezug.

Hinweise:

James Bishop, Paintings on Paper 1959 - 2007,
The Art Institute of Chicago, Chicago 13.03.2008 – 04.05.2008,
Katalog CHF 45.00 (exkl. Versand)

Art 39 Basel 4. – 6. Juni 2008, Annemarie Verna Galerie in Halle 2.0 Stand S2