Galeriebrief 5/2017

7. Oktober bis 18. November 2017

James Bishop (* 7.Oktober 1927) 
Paintings 1969–1978,  Paintings on paper 1956–2016

Eine übersehbare Anzahl von grossen Gemälden, entstanden zwischen 1966 und 1987 belegt den unverwechselbaren und bedeutenden Beitrag, angesiedelt zwischen Tradition und Avantgarde, den der Maler James Bishop zu einer substanziellen Erneuerung und damit zur Erhaltung der Malerei geleistet hat.

Durch die Formalisierung und die Verallgemeinerung der Bildsprache und damit durch die Thematisierung der Selbstbezüglichkeit des Bildes und des Prozesses seiner Herstellung vermochten in den sechziger Jahren einige wenige Maler die Berechtigung und Relevanz ihrer Tätigkeit erneut unter Beweis zu stellen. Es kann in diesem Zusammenhang von einer Objektivierung, von einer Abkehr von jeglicher expressiven Ausdrucksgebärde gesprochen werden.

James Bishop ist da seinen besonderen Weg gegangen. Offenbar standen ja sämtliche traditionellen Werte ersatzlos zur Disposition. Für ihn aber stand fest, dass die Körperanalogie von Material und Malprozess eine hervorragende Errungenschaft dieser Kulturtechnik darstellt, so wie diese sich in der westlichen Tradition entwickelte. Malerei hat mit Oberflächen und Berührung zu tun, die Tätigkeit des Malens ist eine Geste, die im Körper beginnt und im ästhetischen Objekt Präsenz und Verwirklichung manifestiert.

Mit seinen Bildern der Jahre 1961 bis 1965 hatte Bishop zunächst ein breiteres Spektrum von organischen bis zu locker angelegten und schon beinahe geometrischen Flächen erprobt und dies in Verbindung mit teilweise gebrochener, teilweise strahlender Farbigkeit. Blau, rot, braun, ocker und grün sind die dominanten Farbtöne. Jedes dieser frühen Meisterwerke ist bemerkenswert. Im Verlaufe dieser wenigen Jahre wird immer deutlicher, dass dem Bildgeviert eine wichtige Rolle zukommt, dass die formalen Findungen sich den Bildausschnitt und die Bildbegrenzung zunutze machen und auf die Existenz der Leinwand als Gegenstand Bezug nehmen.

Eine Radikalisierung und Veränderung wird um 1967 bemerkbar. Weiss grundierte Leinwände im Format von 185 x 185 cm oder von 195 x 195 cm, knapp gespannt auf entsprechend grosse Chassis sind nun vor jeder künstlerischen Intervention das vorbestimmte und begrenzte Territorium der Malerei von James Bishop. Es wäre deshalb irreführend von Bildträgern zu sprechen, vielmehr erweist sich das gelungene Gemälde als Einheit von Objekt, Bildobjekt und Herstellungsprozess.

Die Farbmaterie im flüssigen und fliessenden Zustand ist gleichsam an der Entstehung des Werkes beteiligt. Das Farbmaterial bedeckt manchmal die gesamte Leinwand, oder aber oftmals eine Hälfte des verfügbaren Territoriums. Die Teilung geschieht dann zumeist horizontal, kann aber auch vertikal angelegt sein. Bei diesen Gemälden ist der unbemalte Teil der Leinwand, derjenige welcher die weisse Grundierung blosslegt, für die Lesbarkeit des Geschehens wesentlich. Durch die Abwesenheit von Farbe wird die sinnlich erfahrbare Qualität der zur Farbhaut aufgetrockneten Farbmaterie umso deutlicher hervorgehoben und akzentuiert. Oftmals ist diese Farbhaut aus mehreren Schichten aufgebaut und diese sind von verschiedener Farbigkeit, was als Tiefe und Differenzierung wahrgenommen wird. Mit dem Pinsel unterlegt James Bishop der Farbmaterie ein ordnendes Gestell. Dieses Gefüge, das jeweils den Fluss von Dichte zu Transparenz der Farbhaut bestimmt und lenkt, organisiert die innere Gestalt jedes individuellen Werkes und verleiht ihm seine eigene Gewichtung, seine jeweils komplexe kompositorische Struktur und Eigenart. Die starke Farbigkeit der früheren Gemälde ist nunmehr transformiert, Farbe ist aufgemischte Farbmaterie, oft kaum eindeutig benennbar, eine Fusion von Elementen, mit welchen die Herstellung des Bildobjekts vorgenommen wird.

Überblicken wir das Lebenswerk von James Bishop so scheinen die unbemalten Partien der Gemälde gleichsam ein grosses Versprechen zu enthalten. Die Erfahrungen, die Findungen und Erfindungen, die die Handhabung von Leinwand und Farbe ermöglichten, drängten offenbar schon in den siebziger Jahren in einer anders gearteten Synthese weg von der Verallgemeinerung des Bildgerüsts zur Aufdeckung und Intensivierung des Besonderen. Die Qualität des Besonderen, des Eigentümlichen entfaltete zunehmend ihre Verführungskraft. Eine Produktion des Unerwarteten ist jedoch nicht möglich. Die Planung des Bildes weicht demgemäss mehr und mehr der Berührung des Pinsels und des Stiftes mit einer knapp bemessenen Papieroberfläche. Die oft vorgefundenen Papiere sind von unterschiedlicher Beschaffenheit. Selten sind sie grösser als 25 x 25 cm. Ein Dialog findet nunmehr statt der viele Optionen anbietet und der es versteht, die neuen Freiheiten selbst einzuschränken. Das Eindringen und das Versinken der Farbflüssigkeit in die Papieroberfläche unterscheidet sich von der Art und Weise, in der die Farbhaut auf der Leinwand aufliegt. Erst eine völlig unterschiedlich angelegte Zeitdisposition führt nun vom Geschehenlassen über das Erkennen und Eingreifen zum Geschehenen. Die Entscheidung, in welchem Zustand das kleine Werk Gültigkeit erlangt hat ist sozusagen Teil des Schöpfungsvorgangs.

Eine umfangreiche Publikation über diese Werkgruppe ist in Vorbereitung. Sie wird die Differenzierung und Vielfalt der Malereien auf Papier aufzeigen (Sieveking Verlag, München).

Ausstellungen

Rita McBride SOMETHING STRONGER THAN ME*
Contemporary Art Centre, Bruxelles
15. Sept. 2017 bis 7. Jan. 2018

Rita McBride Particulates
Dia: Chelsea, New York NY
17. Okt. 2017 bis 7. Juni. 2018

Glen Rubsamen   Alfonso Artiaco,
Neapel, Italien  15.9. – 21.10.2017

Sol LeWitt (1928–2007)
A Wall Drawing Retrospective

Yale University Art Gallery and Williams College Museum of Art
16. November 2008 – 2033